Montag, 20. Juli 2015

Das Jahr des Rehs.

Das Jahr des Rehs ist ein wunderwundervoller Briefroman. Eigentlich ein Emailroman. Bella Becker und Sabine Born waren in der Jugend unzutrennlich. Nach dem Studium verloren sie sich aus den Augen. 17 Jahr später schreibt Bella eine Email an ihre alte Freundin Bine. Sie ist ein bisschen aufgeregt, weil sie zum einen gar nicht sicher ist, ob sie die richtige Email Adresse von Bine im Internet gefunden hat, zum anderen hat sie die Befürchtung, dass Bine vielleicht gar keine Lust auf die Wiederbelebung der alten Freundschaft hat. Bine hat aber große Lust und freut sich sehr über die Email ihrer Freundin. Die beiden schreiben sich fortan regelmäßig Mails, lachen und weinen über alte Zeiten, schreiben aber meistens über das Hier und Jetzt.


Bella lebt mit ihrem Sohn in Berlin. Sie ist Journalistin und hält an der On-Off-Beziehung zu ihrer Jugendliebe fest. Sie kann Gefühle so schön in Worte fassen, ist mal fröhlich glücklich und dann wieder traurig und betroffen. Bine ist in ihrem hessischen Heimatort hängen geblieben, ist erfolgreiche Architektin, hat zwei Kinder, Mann und Hunde. Sie ist unglücklich, die Ehe steht vor dem Aus. Immer mal wieder treffen sich die Freundinnen, was in weiteren Emails erkenntlich wird, aber die meiste Zeit schreiben sie.

"Schon 6.45 Uhr, guten Morgen nach Engbach, jetzt brauch ich ein Schokocroissant und einen starken Kaffee. Ob der Bäcker unten das weiß?! Und dann leg ich mich noch mal ins Bett, wenn die Sonne aufgeht an diesem Sonntag und der Mond sich versteckt bis zur nächsten Runde...

Mir hat dieses Buch unglaublich gut gefallen. Das Leben der beiden Frauen, die beide um die 40 Jahre sind, wird so real und greifbar erzählt. Es ist ein Gegenwartsroman, in den ich mich sehr gut reindenken und einfühlen konnte. Kurzweilig und inspirierend, selbst mal wieder mehr zu schreiben und zwar richtig zu schreiben, nicht nur Kurznachrichten zu verfassen. 


Montag, 13. Juli 2015

Der Rosie Effekt.


Nachdem ich von Teil 1 "Das Rosie Projekt" restlos begeistert war (ich hatte darüber hier nicht geschrieben, weil Caro das im Dezember 2014 schon tat) war klar, das ich auch Teil 2 lesen müsse.

Er ist gut, aber nicht so gut, wie der erster Teil. Don und Rosie sind mittlerweile ein Paar. Sie leben zusammen in New York und arbeiten beide dort an der Uni. Er als Professor der Genetik, sie steckt mitten in der Arbeit für ihre Dissertation. Nebenbei arbeiten beide in einer Bar als Cocktailmixer. Rosie ist schwanger. 


Man ahnt es schon: Don, nimmt diese Information nicht einfach so hin, nein, der stürzt sich in die Recherche rund um das Thema Schwangerschaft, denn er will der beste und brillanteste Papa schlechthin werden. 

Daraus entwickeln sich wieder einmal eine Menge skurrile Situationen, in denen Don improvisieren muss und sich immer weiter und tiefer in Lügen verstricken muss, damit Rosie nichts merkt. Durch sein Handeln und den daraus resultierenden Situationen verlieren die beiden immer mehr den Kontakt zueinander und leben eigentlich nur noch nebeneinander her. Rosie, die ich im ersten Teil sehr mochte, ging mir im zweiten Teil hin und wieder einfach auf den Wecker. Sie kennt doch Don! Sie weiss doch, dass er anders ist als andere!

Einige Ereignisse schienen mir etwas zu konstruiert und an den Haaren herbei gezogen. Dennoch, wer Teil 1 gelesen hat, der muss auch Teil 2 lesen. Man Frau will doch schliesslich wissen, wie es weiter geht, oder nicht? Die Geschichte ist in jedem Fall unterhaltsam und lustig.


Donnerstag, 2. Juli 2015

Buchthema Juli, August & September.

Normalerweise lesen wir Bücher, weil uns der Titel neugierig auf mehr macht, weil uns die Inhaltsangabe gefällt oder weil wir es einfach empfohlen bekommen haben. Manchmal kaufen wir aber auch Bücher, weil uns einfach das Cover gefällt. Geht Euch das manchmal auch so? 

Unser Thema für die Monate Juli, August und September lautet: 
"Lies ein Buch, welches Du gekauft hast, weil Dir das Cover so gut gefiel."


Bine liest:

Dienstag, 30. Juni 2015

Abschluß Buchthema April - Mai - Juni

 Das zweite Buchthema des Jahres  findet heute seinen Abschluß.
Es lautete "Lies eine Fortsetzung".
Bitte tragt euch in die Liste ein und vergesst nicht, euer gelesenes Buch hinter eurem Namen in Klammern zu setzen.

Morgen kommt das neue Thema für die nächsten drei Monate!

Freitag, 5. Juni 2015

Buchempfehlung: "Altes Land" von Dörte Hansen

Gestern in einem Rutsch durchgelesen: 
"Altes Land" von Dörte Hansen
Vera Eckhoff lebt im Alten Land, einem für seine Obstbäume weit über die Grenzen Hamburg bekanntem Landabschnitt der Elbmarsch. Doch richtig angekommen, geschweige denn anerkannt wurde sie von der Dorfgemeinde nie, denn vor über sechzig Jahren kam sie auf der Flucht aus Preußen mit ihrer Mutter, der starrköpfigen Hildegard von Kamcke, auf den Hof der Bäuerin Ida Eckhoff und blieb. Auch nachdem ihre Mutter diesem ganzen für sie unter aller Würde erscheinenden Landleben den Rücken zugewandt hatte und ins feine Blankenese gezogen war. Eines Tages steht ihre Enkelin Anne mit ihrem kleinen Sohn Leon vor der Tür, so wie sie damals mit ihrer Mutter, geflohen nach ihrer gescheiterten Beziehung und genauso verloren und entwurzelt wie sie damals...

Ein wunderschönes Buch. 
Erzählt wird jede Geschichte, die sich ergibt: die von Vera und ihrer Mutter, von Ida, die ihren Sohn gebrochen aus der Kriegsgefangenschaft zurück bekommt. Von den Nachbarskindern, die unter dem betrunkenen Vater leiden und ihren jetzigen eigenen Kindern, die sich entscheiden müssen zwischen "Bleiben oder Gehen". Die ihre Höfe plötzlich umlagert sehen von Touristen und Aussteigern, die im Alten Land ihr Glück in Biohöfen und hausgemachten Marmeladen suchen und doch nie dazu gehören werden. Von Anne und  Leon, die sich nach ihrer Flucht aus Ottensen mit seinen Vollwertmüttern auf einmal im Dorfkindergarten wiederfinden, wo es keine Eingewöhnungszeit gibt, weil man das eben schon immer so macht. Man möchte viel mehr über alle erfahren, noch mehr Geschichten hören von damals, die das Haus nachts flüstert, wenn alle schlafen und jede Person noch besser kennen lernen. Und das ist auch der einzige Kritikpunkt an diesem Buch: es ist einfach zu kurz! Und doch reichen die knapp 300 Seiten, um sich hineinversetzt zu fühlen in das Leben der Bauern damals, die Flucht der Mutter aus Masuren, die Zerrissenheit von Anne und die ständige Schlaflosigkeit von Vera, weil nachts die Gespenster kommen, die schon immer im Haus gelebt haben.