Mittwoch, 17. September 2014

Fünf Frauen, der Krieg und die Liebe.



Die Geschichte spielt in dem verschlafenen Dorf Crowmarsh Priors in Sussex/ England. Der zweite Weltkrieg breitet sich vom europäischen Festland immer weiter aus, Evakuierte sollen in dem kleinen Ort unterkommen, während die Männer Crowmarsh Priors verlassen müssen.


Alice Osbourne, die stille und nüchterne Tochter des verstorbenen Pfarrers lebt seit ihrer Kindheit dort und meint für immer dort leben zu wollen und zu müssen, denn sie ist mit Richard verlobt.

Evangeline Fontaine,  gelangt aus New Orleans nach England, weil sie eigentlich ihrem Geliebten, einem dunkelhäutigem Mann, der fliehen musste, folgt. 

Elsie Pigeon kommt aus dem Armenviertel Londons, wird von ihrer Familie und einem Haufen Geschwister getrennt und nach Crowmarsh verschickt.

Tanni Zymann, ein jüdisches Mädchen, flüchtet mit ihrem Mann vor den Nazis aus Österreich. Zunächst lebt sie alleine in London, wird aber bald mit ihrem Neugeborenem nach Crowmarsh geschickt.

Franses Falconleigh, ein furchtloses Mädchen aus der gehobenen Gesellschaft, wird gegen ihren Willen, von ihrem Vater nach Crowmarsch geschickt, in der Hoffnung, dass sie nicht mehr in der Klatschpresse auftaucht.

Fünf Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Geschichte anfangs in einzelnen Kapiteln erzählt wird, landen eines Tages zusammen in diesem Nest und sind auf eine Freundschaft angewiesen. Anders würden sie diesen Krieg und die damit verbundenen Qualen nicht überleben. Sie kämpfen gemeinsam gegen den Hunger, gegen Luftangriffe, gegen die Angst Familienmitglieder zu verlieren und gegen einen Verräter mitten unter ihnen. Danach verlieren sie sich aus dem Augen, gehen ihre eigenen Wege, in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten.

Fünfzig Jahre später treffen sich vier der fünf Frauen wieder in Crowmarsh anlässlich des Victory-in-Europe-Days. Sie werden von Fernsehkameras begleitet und als Kriegsbräute präsentiert, dabei haben diese Frauen eine Rechnung zu begleichen. 

Ein guter Roman, der anfangs etwas verwirrend ist. Es fiel mir schwer richtig hinzufinden. So viele Namen und Personen, so viele Lebensgeschichten, die parallel erzählt werden. Es dauerte ein Weilchen, bis ich alle fünf Frauen und deren Lebensumfeld gedanklich sortiert hatte. Nachdem alle fünf in Crowmarsh angekommen sind, war ich jedoch völlig gefesselt von der Geschichte. 



Taschenbuch: Fünf Frauen, der Krieg und die Liebe, Helen Bryan, 488 Seiten
Kindle Edition: Fünf Frauen, der Krieg und die Liebe, Helen Bryan, 763 KB

Dienstag, 9. September 2014

Gastbeitrag: "84, Charing Cross Road" von Helene Hanff

Heute gibt es endlich mal wieder einen Gastbeitrag: Sabine von Casoubon stellt euch "84, Charing Cross Road" vor:
 
Manchmal sind es die ungeplanten Dinge im Leben, die im Rückblick betrachtet am erfolgreichsten waren. Dieser Umstand trifft auch auf den Briefwechsel zwischen der amerikanischen mäßig erfolgreichen Autorin Helene Hauff und dem Antiquariat „Marks & Co.“ in der 84, Charing Cross Road in London zu. Was Ende der 40er Jahre als eine Korrespondenz zwischen einer Bücherliebhaberin mit wenig Geld, aber einer großen Liebe zur Literatur an sich und zu schönen Büchern im Speziellen, und den Mitarbeitern des Antiquariats begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Freundschaft zwischen Frank Doel und Helene Hanff. Es ist ein wahrer Genuss zu lesen, wie sich Helene über ein schönes Buch freuen konnte, welches sie schon lange auf ihrer Wunschliste stehen hatte. In ihrer amerikanisch direkten Art nimmt sie aber auch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht sich über schlechte Übersetzungen oder beschädigte Bücher negativ zu äußern.

Die Korrespondenz umfasst nicht nur Gespräche über seltene Bücher, über Autoren, die heute leider in Vergessenheit geraten sind, sondern bezieht auch das tägliche Leben mit ein. So schickt Helene regelmäßig rationierte Lebensmittel und Waren in das London der Nachkriegszeit, weswegen sie mit der Zeit nicht nur Briefe von Frank Doel, sondern auch von dessen Frau und anderen Mitarbeitern des Antiquariats erhält.

Gerade weil es nie geplant war, die Briefe zu veröffentlichen, ist dieser Briefwechsel zwischen allen Beteiligten wunderbar authentisch. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Lesen, an echte Bücher und an das geschriebene Wort. Ein Muss für jeden Buchliebhaber.
 Helene Hanff – 84, Charing Cross Road – 159 Seiten – Atlantik Verlag

Montag, 8. September 2014

Morgen kommt ein neuer Himmel.

Brett, eine junge Frau, Anfang 39, die sich mit einem männlichen Vornamen herumschlagen muss, hat ihre Mutter durch Krebs verloren. Sie hat einen Freund, der Anwalt ist, einen Job, eine schicke Wohnung, zwei Brüder und zwei Schwägerinnen. Ihre Mutter hinterlässt ein Kosmetik-Imperium und eigentlich ist völlig klar, dass Brett die neue Geschäftsführerin dieser Firma werden soll.


Bei der Testamentvollstreckung kommt alles anders. Statt einen Haufen Geld und den Job der Direktorin erhält Brett eine Liste mit Lebenszielen und -wünschen, die sie selbst als 14jährige verfasst hat. Diese Liste muss die binnen 12 Monate abarbeiten und erfüllen, erst dann bekommt sie ihr Erbe.

Brett ist ausser sich vor Wut, Enttäuschung und Fassungslosigkeit, gleichzeitig fühlt sie sich ihrer Mama so nah, wenn sie deren Briefe an Brett liest. Ob Brett es schafft ihr Leben umzukrempeln, ob sie sich einen Hund und ein Pferd anschafft, ob sie die große, echte Liebe findet und und und... das werde ich nicht verraten. Natürlich nicht! ;-)

Morgen kommt ein neuer Himmel hat mich absolut begeistert. Ich konnte das Buch kaum weglegen, wollte wissen, ob Brett ihren Weg findet, ob sie ihre Träume wahr werden läßt und damit auch zu einem neuen Menschen wird.


Taschenbuch: Morgen kommt ein neuer Himmel, Lori Nelson Spielman, 368 Seiten, Fischer Krüger
Kindle: Morgen kommt ein neuer Himmel, Lori Nelson Spielman


Freitag, 5. September 2014

Buchempfehlung: Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B

Adam ist 14 und war noch nie verliebt. Das liegt bestimmt auch daran, dass er sich bis jetzt überhaupt nicht für Mädchen interessiert hat, sondern lieber zusammen mit seinem besten Freund Sam mit Warhammer-Figuren spielt. Und daran, dass sich seine Eltern getrennt haben. Es liegt aber natürlich vor allem daran, dass Adam Zwangsneurotiker ist: Ordnen, Zählen und bestimmte Türschwellen stellen für ihn ein fast unlösbares Problem dar. Mit Unterstützung einer Selbsthilfegruppe versucht er, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Und genau da taucht eines Tages Robyn auf, 16, mit perfekten Beinen, schwarzen langen Haaren und dem Geruch nach Pfirsich und Adam verliebt sich Hals über Kopf in sie. Kann das gut gehen?

"Adam hatte die ganze letzte Nacht damit verbracht, seine Warhammer-Figuren neu anzuordnen. Natürlich unterlag diese Neuordnung einem peinlich genauen Ritual. Alle Orks mussten in der richtigen Formation auf dem Regal stehen, und er musste sie auf bestimmte Art und Weise umstellen - von unten nach oben gegen den Uhrzeigersinn, und das dreizehn Mal. Wenn er etwas falsch machte, musste er wieder von vorne anfangen. Es war so gut wie unmöglich, es richtig hinzubekommen. Adam besaß fast 300 Figuren. Es dauerte Stunden."

Montag, 1. September 2014

Die kurzen und die langen Jahre

Simon verliebt sich in die um Einiges ältere Sylvie. Er träumt von ihr, wünscht sich Nähe, will mit ihr zusammensein. Sylvie fühlt sich ebenfalls zu Simon hingezogen. Sie kann nicht ohne ihn, nimmt immer wieder Kontakt zu ihm auf, breitet in ihren Briefen ihre intimsten Gefühle vor ihm aus.


Sie lernen sich durch einen seltsamen und schrecklichen Umstand kennen. Die beiden bleiben sich ewig eng verbunden, aber immer wieder rauscht der Zeitpunkt für eine echte Beziehung an ihnen vorbei. Sie gehen getrennte Wege, kommen sich dann wieder ganz nah, verbringen Zeit zusammen, kommunizieren aber am besten per Brief. Simon wartet. Wartet. Wartet. Kurze Jahre, lange Jahre.

Mir hat Simon unendlich leid getan, denn er ist ein Leben lang an Sylvie gebunden, auch dann noch, als er schon gar nicht mehr weiß, wo sie lebt. Auch, als er selbst eine Familie gründet und eigentlich auf dem besten Wege ist, sich von ihr zu trennen. Sylvie ist und bleibt in seinem Herzen verankert. Auch wenn ich Verständnis für Sylvie hatte, mich hat es teilweise richtig geärgert, dass sie Simon immer wieder als Seelenklempner für sie hinhalten musste.

Thommie Bayer hat mit "Die kurzen und die langen Jahre" eine schöne und sehr einfühlsame Liebesgeschichte geschrieben, die in den 70er Jahren beginnt und beinahe 50 Jahre dauert.